Weser-Kurier - Stadtteil-Kurier vom 13.12.2017:

 

 

Bild mit aktueller Botschaft

Sigrid Schuer 13.12.20170 Kommentare
Renate Beganders Bild „Politzirkus“ spricht Bände: Die Bremerin hat in ihrem Werk die Gesichtszüge der Mächtigen gut getroffen, das bis 20.Dezember in der Bremer City- Galerie gezeigt wird. 

 

Renate Begander aus Habenhausen hat die Mächtigen der Welt in Szene gesetzt. Ihr Bild ist in einer Gruppenausstellung im Citylab zu sehen. (Roland Scheitz)
Das Ölgemälde, das Renate Begander noch bis Mittwoch, 20. Dezember in der City-Galerie im Citylab, Hanseatenhof 9, zeigt, wirkt wie ein Kommentar der Koalitionsverhandlungen in Berlin. Der Titel spricht Bände: „Politzirkus“. Die Habenhauserin hat in Anlehnung an Max Beckmanns „Party in Paris“ die Mächtigen dieser Welt in Szene gesetzt, wie sie gemeinsam Pläne schmieden. Zu sehen ist ihr Bild in der Begleitausstellung zur Sonderschau in der Kunsthalle unter dem Titel „So gesehen – Max Beckmanns Welttheater aus der Sicht Bremer Künstler“.

Nicht nur die deutsche Politprominenz hat die Malerin, die ihr Hobby mit Passion ausübt, in eleganten Abendkleidern und Smokings dargestellt, sondern auch US-Präsident Donald Trump und den russischen Präsidenten Wladimir Putin, die sich beide von Politikerinnen fasziniert zeigen: So treibt Sara Wagenknecht einem deutlich verlegen dreinschauenden Putin die Schweißperlen auf die Stirn, und Donald Trump legt einen Arm um die britische Regierungschefin Theresa May.

Einigermaßen fassungslos beobachtet der türkische Präsident Erdogan von oben herab diese Szenerie. Im Vordergrund blickt griesgrämig Bundeskanzlerin Angela Merkel aus der Szenerie, darunter ist Wolfgang Schäuble dargestellt. Eine dominante Rolle spielen Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, ebenso wie Bundesaußenminister Sigmar Gabriel, der das Gesicht in Sorgenfalten gelegt hat. Wenig Profil zeigt dagegen der gescheiterte SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. Und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verbreitet wie gewohnt eine staatstragende Aura. Renate Begander hat die Gesichtszüge der Mächtigen gut getroffen.

Die weltpolitische Lage empfindet sie derzeit als besonders bedrohlich. Insofern liegt die Parallele zu der aus den Fugen geratenen Zeit, mit der der Maler Max Beckmann umgehen musste, auf der Hand.

Für ihn waren Theater und Varieté stets Kraftorte, mit deren Hilfe er die Fährnisse des Lebens zu meistern vermochte. Die Habenhauserin findet es immer wieder spannend, sich von den Künstlerpersönlichkeiten, denen die Kunsthalle große Sonderschauen widmet, inspirieren zu lassen. Sie ist bei den

 

Begleitausstellungen in der City-Galerie zum vierten Mal dabei. Sie malt, seit sie pensioniert ist, intensiv und hat Malkurse belegt.
Die Ausstellung „So gesehen - Max Beckmanns Welttheater aus der Sicht Bremer Künstler“ ist bis Mittwoch, 20. Dezember, in der City- Galerie im Laborraum des Citylabs, Hanseatenhof 9, zu sehen. Geöffnet ist montags bis sonnabends von 11 bis 17 Uhr, der Eintritt frei. Auch beim Auftritt des Theaters Mabeck am Sonnabend, 16. Dezember, um 19 Uhr in der City-Galerie. 

 

 

 


Kreiszeitung Syke 

Artikel vom 1.12.17

 

Renate Begander und ihr Bild "Nebel über dem Fjord"

 

 "Mein Kunst-Stück": Raue Landschaft

 

 

Die weiße Fjordlandschaft sei gar nicht reinweiß, sagt Renate Begander über ihr Bild "Nebel über dem Fjord" - Foto: Langkowski.

 

Bremen - Von Ilka Langkowski. "Nebel über dem Fjord heißt Renate Begander Bild, das sie in unserer Serie "Mein Kunst-Stück" vorstellt. Es zeigt eine ruhige Szenerie bei Spitzbergen: ein Schiff vor schneebedeckten Hängen eines Fjords im Nordmeer.

 

Das Ölbild "Nebel über dem Fjord gehört zu Renate Beraters Reihe "Nordlandreise". Die Skizze zu "Nebel über dem Fjord fertigte die Bremerin in diesem Sommer während einer Schiffsreise an. 

 

Die meisten Zeichnungen erzählen vom Bordleben mit vielen Menschen und viel Gesellschaft. Im Gegensatz dazu stand die wenig besiedelte Landschaft mit ihrer Weite, die Begander liebt. "Ich mag es ruhig. Das spiegelt sich auch in meinen Bildern wider." Auf 40 Zentimeter mal 50 Zentimeter Leinwand zeigt "Nebel über dem Fjord" Schnee, Nebel und Eis in der Nähe von Spitzbergen. "Weiß ist nicht gleich Weiß", sagt die Künstlerin. "Alle möglichen Farben unterschiedlichster Schattierung finden sich in den Flächen." Schon die Grundierung bestehe nicht aus weißer Farbe. Weißtöne seien aber nicht schwieriger zu malen als ein buntes Bild. "Nebel über dem Fjord" sticht aus vielen anderen Bildern Begander hervor. Es ist weniger bunt und auch die Maltechnik unterscheidet sich. Statt eines feinen Pinselstrichs entschied sich die Malerin für den Spachtelauftrag. "Eine raue Landschaft verträgt auch einen rauen Aufstrich", sagt sie und lacht. Da spüre man eher die Naturgewalt. Nur für kleine Bildelement und das Boot nutze sie einen Pinsel. Vielleicht lag es an der außergewöhnlichen Landschaft mit der ganz besonderen Stimmung, dass auch das Bild so anders geworden ist.

 

Zur Künstlerin im zweiten Anlauf

 

Ernsthaft angefangen zu malen hat Begander, als sie zum zweiten Mal aufhörte zu arbeiten. Ein erster Anlauf war nach der Geburt ihrer Tochter noch gescheitert. Dann versuchte die Bremerin es 20 Jahre später noch einmal. Wieder verbrachte sie Zeit zu Hause, diesmal mit je einer Hand in Gips. Zu ihrer Verwunderung waren die 20 Jahre alten Ölfarben noch gebrauchsfähig. Dann legt Begander los. Sie besuchte verschiedenste Kurse, um die Maltechniken zu erlernen. In ihrem ersten Kurs zweifelte sie noch daran, ob sie die Leinwand vollbekommen würde. "Das Ergebnis in Acryl war zwar holprig und ohne Übergänge. Aber es hat geklappt", sagt sie. Heute verbringt die Malerin drei bis vier Vormittage an der Staffelei, um das beste Licht zu nutzen. Mal eine Stunde zwischendurch zu malen, gehe ebenso wenig, wie sich zum Malen zu zwingen. Anregend seien Wettbewerbe, für die man sich mit einem bestimmten Thema und außerdem mit Künstlern auseinandersetzen müsse, die ganz anders malten als man selbst. Als aktuelles Beispiel nennt sie die Begleitausstellung zu Max Beckmann im "Citylab" (Lloydhof). Sie läuft parallel zur Max-Beckmann-Ausstellung in der Kunsthalle.

 

"Schön ist, wenn auch andere sich daran erfreuen"

 

Ob wir Kunst brauchen? "Das frage ich mich auch manchmal", sagt Begander. "Für den Künstler ist es entspannend und es freut einen, wenn etwas gelingt. Schön ist, wenn auch andere sich daran erfreuen. "Aber den großen Kunstzirkus, bei dem Leute sich durch viel Gerede oder schrille Aktionen hervorheben wollen, findet Begander übertrieben.

Zu den Künstlern, die für Begander besonders bedeutend sind, zählen der Niederländer Vincent van Gogh (1853 bis 1890) und der deutsche Expressionist Emil Nolde (1867 bis 1956). Van Goghs "unwahrscheinlich tolle Farben" haben es der Bremerin angetan. Auch Noldes großformatige Bilder beeindrucken durch leuchtende Farben. An Nolde bewundert sie, dass er so unterschiedliche Sachen gemacht hat.

 

Wenn Begander jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge ihr Ölbild "Politzirkus" an die Regierungen: Es sei Ausdruck für die Show, die nach außen gezeigt werde, während innen gemeinsam geplant und geschachert werde.